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DER GROSSE BRUDER
2000 - 2008
24.06.2008
Daten-GAU bei Meldeämtern: Bürgerdaten frei im Web zugänglich
München* Nach Recherchen des TV-Magazins Report München waren die Daten zahlreicher Meldeämter über drei Monate lang frei im Web verfügbar. Grund: Die entsprechenden Vorgabe-Paßwörter waren nicht geändert worden und auf einer Webseite für jeden einsehbar.
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Zwischen dem 15. März und 20. Juni diesen Jahres waren die Meldedaten aus 200 Meldeämtern im Internet frei verfübar. Der Grund: Die Mitarbeiter der Meldeämter hatten das Vorgabe-Paßwort der Verwaltungssoftware nicht geändert und genau dieses Paßwort war auf den Webseiten des Herstellers der Software externerLinkHSH Soft- und Hardware Vertriebs GmbH.

Genauer: Die Paßwörter konnten Dritte entdecken, wenn sie die Webseite externerLinkwww.meldebehoerde.de besuchten, auf der Demoversionen der HSH-Programme zum testen angeboten werden. Beim Überfahren des dortigen Links zur Demoversion der Online-Gewerberegisterauskunft, erschienen "dank" JavaScript die Zugangsdaten im Klartext.

Betroffen waren laut HSH 40 Betreiber des Informationsregisters mit 425 Anwendern in den Kommunen, darunter: Rathenow, Plauen und Velbert, Neuhardenberg und Henningsdorf, Potsdam und zahlreichen bayerischen Meldeämtern. In mindestens vier Kommunen wurden nach Einsicht in die Zugriffsprotokolle Einwohnerdaten mit dem Auslieferungspaßwort abgefragt.

Abrufbar waren damit Informationen wie Namen, Religionszugehörigkeit, Geburtsdaten, Ehepartner, Reisepaß- und Personalausweisnummern, Fotos, Adressen von aktuellen und früheren Wohnorten sowie zum Teil sogar Finanzdaten. Bei zufällig eingegebenen Straßennamen erschienen alle dort wohnhaften Bürger.

Die Schuld ist in erster Linie bei der Firma HSH zu suchen, die die Paßwörter frei im Internet zugänglich gemacht hat. Teilschuld tragen sicherlich auch die Mitarbeiter der Meldeämter, welche die Paßwörter nicht geändert haben. Aber auch hier hätte die Software von HSH dieses Verhalten aus datenschutz- und sicherheitsrechtlichen Gründen erzwingen müssen. HSH versorgt über 2000 Gemeinden mit ihrer Software, sucht die Schuldigen aber in den Meldeämtern: Ursache für das zeitweise aufgetretene Sicherheitsproblem waren nicht die Online-Anwendungen, sondern ist letztlich der Faktor Mensch.

-- Peter Ulber --

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